Seit einiger Zeit ist es schon fast unsere sonntägliche Routine auf dem Berliner Mauerpark (Flohmarkt) einen Stand zu betreiben. Den Großteil unserer Möbel, Küchengeräte, Sportausrüstung und Bücher haben wir dort verkauft. Passenderweise veröffentlichte Deichkind dieses Jahr ein Lied namens „Der Flohmarkt ruft“, welches zu unserer Hymne wurde – und das Flohmarktgefühl hervorragend beschreibt.

Mit dem Verkauf unserer Sachen auf dem Flohmarkt verfolgen wir ein Hauptziel: Loslassen.

Flohmarktatmosphäre – oder: “Den Trainer von Kettler hab‘ ich selber”

Hier das Video von uns auf dem Flohmarkt:

Loslassen – oder: “Das schlepp‘ ich nicht noch einmal, das tu‘ ich mir nicht an.”

Wir geben unsere Wohnung auf und die Gegenstände in ihr. Dazu gehören Bücher, Regale, Sofas, Mixer, Mikrowelle, Boxhandschuhe, Angelausrüstung, Motorradequipment und vieles mehr. Wir experimentieren mit dem Loslassen von Besitz. Wir wollen wissen was wir wirklich brauchen.

Nach einigen Wochen stellen Steffen und ich fest, dass wir nach einem Flohmarkt meist schon nicht mehr wissen, was wir morgens mitgebracht haben. Unsere Wohnung hatte 10 Mal mehr Gegenstände als wir am Ende einlagerten und sie fehlen uns nicht. Die Wohnung hatte zwei Abstellkammern, ein Kellerabteil und einen kleinen Dachboden. Dort lagerten Sachen, die sowieso nicht von uns genutzt wurden, da sie unerreichbar waren. Die Sachen, die wir viel benutzten, waren nur wenige Stücke.

Unsere Erfahrung: Glaub‘ IKEA nicht! Stauraum ist ein Werk des Teufels, das uns dazu verleitet noch mehr Kram anzuhäufen. Ist etwas erstmal im Stauraum verpackt, wird es nie wieder herausgeholt. Stauraum sind schwarze Löcher für Zeug, das wir niemals verwenden.

Wir empfinden die Anhäufung von (nicht genutztem) Besitz als belastend. Einen Moment der Reue gab es nur einmal: Als Steffens nach dem Verkauf seinen Barttrimmer vermisste. Das Experiment im Loslassen ist für uns ein Erfolg. Mit jedem Gegenstand, der geht, fühle ich mich freier.

Wir behalten das, was uns wirklich wichtig ist. Und die kleine Helferlein des Alltags, die am Ende nur aufwändig und teuer in der Wiederbeschaffung sind: Korkenzieher, gute Bohrmaschine, Werkzeugkasten, Schmuck und Bilderrahmen. Am Ende sind es 6 Kubikmeter.

Ein Taschengeld verdienen – oder: “Was willst du geben für die schöne Playmoburg?”

Mit dem Verkauf deines alten Krempels wirst du nicht reich. Die meisten Menschen haben auch schon einen Sandwichmaker, einen Weihnachtsbaumständer und eine bananenförmige Aufbewahrungsdose. Und dennoch: Einiges kann auf dem Flohmarkt gut verkauft werden, wenn der Fokus stimmt. Wir genießen die Befreiung von Besitz, die Lernerfahrung im Verkauf – und wenn wir einen Mixer für 12 EUR verkaufen können, freut das auch die Reisekasse. Easy!

Unsere Erfahrung: Markensachen und teures Hobbyequipment zu Ebay, Möbel zu Ebay Kleinanzeigen, Haushaltskram, Bücher, Hobbybedarf usw. zum Mauerpark.

Unsere Erfahrung am Mauerpark: Den Stand mit Freunden teilen. 30 EUR Standgebühr sind schwer verdient. So sind es nur 15 EUR. Es ist erstaunlich was man alles auf die drei Meter Tischlänge quetschen kann. Außerdem ist es kurzweiliger und geselliger.

Schon zwischen 7 und 8 Uhr sind die Schnäppchenjäger, Händler und Sammler unterwegs, dort geht Haushalts- und Elektrobedarf sehr gut. Ab 11 kommen die Spaziergänger und Touristen, diese waren an unseren praktischen Kram meist weniger interessiert. Steffen und ich blieben meist von 7 bis etwa 14 Uhr. Unsere Freunde schwören auf 16 bis 18 Uhr für den Verkauf von Klamotten.

 

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