Was machst du, wenn sich dir vom einen auf den anderen Moment eine neue Wahrheit offenbart?

Machst du so weiter wie bisher? Oder schwenkst du um? Auch, wenn es gegen jegliche Planung ist?

Anfang Dezember war ich noch mit Martin auf Koh Phangan und genoss das Inselleben. Nur um es gemacht zu haben, begleitete ich ihn auf die legendäre Full Moon Party. Tausende Leute tummeln sich an einem Strandabschnitt, bunte Farben leuchten, Es wird nur aus Mini-Eimern getrunken, es wird getanzt, Männergruppen stehen knöcheltief im Wasser und pinkeln gen Horizont und die Stimmung ist ausgelassen.

Wir fahren von unserem Bungalow eine Stunde mit dem Roller hin. Der Rückweg dauert allerdings zwei Stunden, weil ich die ersten 60 Minuten mit dem Suchen meines Rollers verbringe.

Als nächstes will ich nach Chiang Mai. Dazu muss ich nach Koh Samui übersetzen. Da der Flieger morgens fliegt, bringt mich die Fähre einen Tag eher rüber. Zeit, mal wieder einen Ausflug zu machen.

Endlich komme ich in Ching Mai in Nord-Thailand an. Um eine Wohnung muss ich mich glücklicherweise nicht kümmern, denn Viola hat eine gemietet und ist nicht da. Ich kann ihre Bleibe nutzen.

Zwei Tage später kommt sie auch und es gibt ein freudiges Wiedersehen. Wir gehen Essen und schnattern wie die Hühner.

Ich vermute, dass ich ein wenig mehr schnattere, weil ich emotional unausgeglichen bin. Ich merke, wie ich keine Lust habe mir eine eigene Bude zu suchen und beim Gedanken daran in einem Monat weiter nach Vietnam zu reisen, verspüre ich starke Lustlosigkeit.

Hinzu kommt, dass ich mein Transaktionsanalyse-online-Projekt als gescheitert betrachte, weil es mir kein vollständiges Einkommen bringt. Das zieht mich runter.

Ich denke mir: „So kann das nicht weitergehen. Aber was soll ich tun? Weiterreisen scheint gerade nicht die Lösung zu sein.“

Eine Einladung meines Vaters und Birgit zum Weihnachtsfest nehme ich zum Anlass mir kurzfristig ein Ticket nach Deutschland zu buchen. Reiseende!

Ich weiß zwar überhaupt nicht, was ich in Deutschland machen will, aber Weiterreisen ist gerade nicht die Lösung.

Tränen kullern über mein Gesicht. Das war es jetzt. Ich fühle mich gescheitert und wie ein begossener Pudel.

Jetzt muss ich mich auch noch den Fragen derjenigen stellen, die anderes von mir erwartet haben. Das scheint der Preis zu sein, den meine Neu-Entscheidung mit sich bringt.

In den folgenden Tagen vertraue ich mich ein paar meiner Freunde an. Sie sehen das  transaktionsanalyse-online.de Projekt mit ganz anderen Augen, nämlich alles andere als gescheitert. Ihre Argumente:

  • Ein innovatives Geschäftsmodell, welches die Transaktionsanalyse an das Internet angekoppelt hat
  • Ein echtes Business. Der Friseursalon läuft nicht ohne den Friseur. Transaktionsanalyse-online läuft aber ohne Steffen.
  • Es schreibt schwarze Zahlen
  • Das einzige, was nicht passt, ist die mangelnde Skalierbarkeit des Business

Diese Argumente stimmen mich wieder positiv. Ich beschließe beim nächsten Business mehr auf die Skalierbarkeit zu achten.

Die letzten Tage in Chiang Mai nutze ich für ausgiebige Massage-Orgien und meine erste Schönheits-OP. Ich lasse mir 5 Leberflecken weglasern. 100€. Das ist mein Weihnachtsgeschenk. Ich fühle mich wie eine Schönheitsprinzessin.

 

Eine halbe Woche später geht der Flieger nach Deutschland. Es ist der 18. Dezember. Über Moskau lande ich kurz vor Mitternacht in Berlin Schönefeld. In der Schlange an der Passkontrolle wird erstmal gemotzt. Willkommen in Deutschland. Jetzt noch eine gute Stunde in der BVG sitzen, dann macht mir Claudia die Tür auf.

Am nächsten Morgen kann ich es noch immer nicht fassen, dass ich jetzt wieder in Deutschland bin, statt in Thailand. Es fühlt sich surreal an. Während ich mich sortiere, schließen mein Kollege Bernd und ich unser Buch über Burnout vorbeugen ab und geben es zum Setzen. Wieder eine große Sache geschafft. Nach dem Setzen muss noch das Cover erstellt und das Buch gelauncht werden. Ich freue mich drauf.

Das letzte Dezemberdrittel nutze ich, um verschiedene Weihnachtsmärkte zu besuchen und um wieder anzukommen. Das dauert tatsächlich auch eine Weile, denn der Jetlag hat mich eine Woche lang im Griff.

Am Heiligabend sitze ich mit Vater, Birgit und ihren Töchtern unterm Weihnachtsbaum. Wir hatten vereinbart, dass wir uns nichts schenken. Ich bin der einzige, der sich dran hält und bemerke bei der Bescherung leichte Schamesröte im Gesicht. Ich lasse mir aber nichts anmerken und stopfe mir postwendend die Kinderschokolade in den Mund. Mit den Hoppenstedts als Videoaufzeichnung machen wir es uns gemütlich.

Fazit und Ausblick

Wie es 2018 genau weitergeht, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich weiß nur, dass ich ein neues Business aufbauen will. Dann will ich auf jeden Fall wieder ein Zuhause haben. Das suche ich mir erstmal in Magdeburg, Planungshorizont 3 Monate. Dann werde ich weiter sehen. Und ich will regelmäßig meditieren. Dazu habe ich mir mit Philipp ein Meditationsbänkchen gebaut.

In mir kreisen Gedanken darüber, wie ich mein Leben leben will. Das Reisen ohne Heimathafen ist für mich erstmal vorbei. Ich finde es spannend zu beobachten, wie klar das Ende für mich auf einmal war. Mehrere Leute haben mich schon gefragt, wieso ich zur kalten Jahreszeit wiederkomme. Weil sich meine Wahrheit nicht nach dem Wetter richtet. Es fühlt sich gerade richtig an in Deutschland zu sein.

Über zwei Jahre war ich nun unterwegs. Zwei Jahre aus dem Rucksack leben. Das war so eine geile Zeit. Und nun können neue gute Dinge kommen.

Danke, dass du Viola und mich auf dieser Reise begleitet hast.

Viele Grüße

Dein Steffen

6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hey Steffen, gesundes neues Jahr. Was für eine Wendung und vielen Dank, dass ich an deiner Reise im Gedanken teilhaben durfte. Du bist immer herzlich Willkommen, wenn du mal Bock zum Quatschen hast. Gruß Jan

Hallo Jan, das mit dem Quatschen bekommen wir in diesem Jahr hin. Freue mich schon drauf.

Hey Steffen,

schön das du wieder da bist. Dann genieße jetzt erstmal wieder die Wurst und Käse Auswahl in Deutschlands Supermärkten. 🙂 Ansonsten einen guten Jahresstart wünscht die dein alter Kamerad James

Hey Mark, vielen Dank für deine Wünsche. Ich war schon fleißig Käse shoppen. 😀

Ich will auch so ein schönes Meditationsbänkchen. Und ich wusste nicht, dass ich Dir nichts schenken soll. Das galt nur für Eike und mich.

Steffen Raebricht
5. Januar 2018 11:21

Wir können dir ja auch eines bauen. Doch doch, du sollst mir ganz viel schenken. Aber wir müssen trotzdem vorher klären, dass wir uns nichts schenken. 😀 Ich habe mich nämlich trotzdem gefreut. 😀

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