In Peru nutzten wir bereits einmal die Möglichkeit mit Hilfe indigener Medizin Innenschau zu halten. Ich wollte mehr wissen. Deswegen buchte ich ein weiteres 3-Tages-Seminar, bei dem Ayahuasca-Zeremonien abgehalten werden sollten. Es fand in Santa Elena statt, einer kleinen Stadt nahe Medellin.

Wir sollten Freitag bis Sonntag mehr oder weniger nicht schlafen. Ayahuasca-Zeremonien werden grundsätzlich nachts durchgeführt. Viola wollte auch mit. Ich schenkte ihr das Seminar nachträglich zum Geburtstag. Also fuhren wir nach Santa Elena und tranken an drei Tagen jeden Abend eine Tasse des braunen Saftes. Er schmeckt widerlich. Danach legten wir uns hin und warteten. Erst erschienen mir kaleidoskopische Bilder, dann träumte ich wach die wildesten Dinge, die mir tiefe Einsicht in Bezug auf meine Intention gaben, mit der ich zum Seminar gekommen war. Nach zwei Stunden war die Traumphase ungefähr vorbei. Danach führte ich die ganze Nacht Selbstgespräche und hatte erstaunliche Erkenntnisse. Zwischendurch musste ich mich immer wieder übergeben. Alle mussten das. Es ist der Preis, den man für seine Erkenntnisse bezahlt.

Die Zeit ist auch bei den Indigenen nicht stehen geblieben. Der Maestro trägt eine Adidas Sporthose, Socken und Flipflops. Für die Zeremonien zieht er sich feierlich an. Die Symbole werden mit Blütenwasser benetzt. Um die Gedanken zu reinigen und das Wort milde zu machen werden Mambe (Cocablatt-Pulver) und Ambil (Kautabak) konsumiert. Die Gitarre ist ein gängiges Musikinstrument. Auch ist die Hauptsprache Spanisch.

Ayahuasca wird hier in Kolumbien auch Yagé genannt. Samuel, ein Mitglied der Gemeinde vor Ort fragte, ob wir in der Folgewoche nach dem Seminar mit in den Dschungel kommen wollten um die Ältesten zu besuchen und dort Yagé zu trinken. Für uns war sofort klar: „Wenn ein Local etwas vorschlägt, dann sagen wir ja.“

Montags wurden wir gegen Mittag wieder in Medellin abgesetzt. Abends um acht am gleichen Tag ging nun der 20-Stunden-Bus nach Süden. Eigentlich wollten wir weiter nach Norden nach Cartagena, um dort zu entspannen. Daraus wurde nun nichts. Wir bereiteten alles vor, was es vorzubereiten gab: Verpflegung organisieren, Sachen packen, Mails schreiben und das Nötigste arbeiten. Zum Sachen waschen blieb keine Zeit. Also mit dreckigen Klamotten los zum Busbahnhof.

Nach 20 Stunden Fahrt kamen wir in Mocoa im Süden Kolumbiens an. Dort kauften wir uns jeder eine Hängematte. Anschließend ging es außerhalb der Stadt in den Dschungel zur Farm eines Ältesten, eines Taitas. Wir hängten unsere neuen Hängematten unter einem Wellblechverschlag auf, der uns ganz gut vor Regen schützte und verbrachten dort zwei Nächte.

Dann ging es weiter zu einer anderen Farm, zwei Stunden weiter südlich. Auf Taita Libardos Farm gab es auch keine wasserbetriebene Toilette mehr. Und auch keinen Strom. Dafür jede Menge Kakerlaken. Eine Tarantel habe ich auch gesehen. Dort waren auch drei Hexen anwesend. Die vier bereiteten uns eine tolle Nacht. Ich lag in meiner Hängematte und beobachtete den Taita, wie er seine Mundharmonika vorbereitete, um nachts auf ihr Gebetslieder zu spielen. Sie trugen uns durch die Nacht. Für mich eine so tiergehende Erfahrung, dass ich Musik auch zukünftig auch einsetzen will.

Wir waren ungefähr insgesamt 20 Personen. Viele vom Stamm der Siona und einige andere Touristen. Unter anderem ein paar Kids aus einem Hostel, die „mal schauen“ wollten, was es mit dem Yagé auf sich hat. Eine besonders arrogante Kuh meinte, dass sie keine klare Intention für das Yagé hätte und das sie schon so allerlei Drogen probiert hätte. Ich meinte zu ihr, dass es sich bei Yagé um keine Droge, sondern um eine Medizin handele und man sie nur nehmen sollte, wenn man eine klare Intention verfolgt. Daraufhin entgegnete sie, dass sie täglich an ihren Themen arbeite und aktuell nichts anstünde. Yagé zeigte ihr in der letzten Nacht in Form eines Horrortrips vom Allerfeinsten, dass mit der Medizin nicht zu spaßen ist. Sie schrie ungefähr 4 Stunden den Dschungel zusammen. Ich fand das sehr lehrreich. Vor allem, weil die Hexen und der Taita zeigten, was sie mit ihrem Methodenkoffer zu bieten hatten.

Im folgenden Video spricht der Maestro über Yagé (mit Dolmetscher in Englisch).

Nach 9 Tagen (1 Nacht schlafen, 2 Nächte im Bus und 6 Nächten Yagé sowie eingeschränkte Ernährung über den gesamten Zeitraum) kamen wir wieder in Medellin an. Müde, erschöpft und um viele tiefe Einsichten reicher.

 

Würdest du auch Yagé probieren wollen?

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Vera und Bernd
18. Mai 2016 8:18

Habe eben die angepriesene Seife gekauft.
Nur zur Info: Burkhart ist seit gestern im Altenheim, er hatte sagenhaft abgebaut.

Eure Berichte sind toll und spannend.

Gruss Vera und Bernd

Hallo ihr Beiden,

danke für die traurige Nachricht. Ich hoffe, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht.

Und vielen Dank für das Kompliment und den Seifenkauf. Wir freuen uns sehr über Eure Unterstützung. Uns geht es sehr gut. Derzeit arbeiten wir viel, weil mein Onlinekurs nächste Woche fertig sein soll. http://www.grundkurs-ta.com

Liebe Grüße
Steffen

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