Ein Rückblick

Ende Juni sind wir auf Bali angekommen, gestern sind wir nach Bangkok weitergeflogen.
In der Zwischenzeit sind wir mit Jörg und Heike gereist und haben Besuch von Sören, Tim und Micha gehabt. Etwa 2.5 Wochen haben wir in und um Ubud gewohnt und den Rest der Zeit in Canggu im Süden von Bali.
Wir haben in Wasserfällen gebadet, Gili Meno und Nusa Lembogan besucht, Steffen hat einen Vulkan bestiegen und einen balinesischen Handleser besucht, außerdem waren wir in der Palmblattbibliothek und vielen Tempeln.

 

Insel der Götter

Das Insel-Innere ist eine Kombination aus Urwald und Plantagen. Ich finde, Bali fühlt sich rau an. Dunkel. Wild. Hexenhaft. Die Tempel sind schwarz und orange. Überall begegnen uns die Hexen und Dämonen aus Stein. Pflanzen sind sattgrün. Die Reisfelder stellen hellgrüne und strahlende Ausnahmen da. Es ist die Insel der Götter, irgendwie magisch. Wahnsinnig liebenswert. Aber kein thailändisches Beach-Paradies. Weiße Strände mit türkisfarbenem Meer soll es zwar geben, aber bei Canggu ist der Strand dunkel und das Meer tiefblau.

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt sein, dass die Insel wahnsinnig müllig ist. Überall, in allen Flüssen, auf allen Straßen, selbst in den Wäldern findet sich Plastikmüll.

Hipster-Städte Canggu und Ubud

In Kuta und Seminyak betrinken sich die Australier. In Ubud finden sich Yogis und Hippies. In Canggu findet man Expats und Surfer. Der Norden und Osten werden selten vom gemeinen Besucher erkundet.

Ubud war mir zu voll. Zu viele Souvenirshops mit billigen Erinnerungsstücken. Zu viele Yoga-Läden mit teuren Sporthosen. Zu viele Motorräder, Autos und Busse. Kein Fußweg.

Canggu ist ein Kaff. Es besteht im Wesentlichen aus drei Straßen, die parallel zueinander und orthogonal zum Meer verlaufen. Die Straßen sind leer und auch für mich mit dem Roller zu befahren. Abgesehen von einer Abkürzung über’s Reisfeld: Dort gibt es Staus. Autos und Roller drängen sich gegenseitig ins Reisfeld.

Credit of Pictures: Canggu Community at Instagram.

Ubud und Canggu haben beide wahnsinnig gute Restaurants, wo man für 4 bis 8 EUR in bester Großstadt-Atmosphäre, die Trend-Speisen dieser Welt verzehren kann: Grüne Smoothies, Raw Schokoladenkuchen, Burger, Pancakes, Salad Bowls und Flat White.

Die Erkundung dieser Restaurants und Cafes war meine Lieblingsbeschäftigung und hat mein Herz stets erfreut.

Mein zweiter Lieblingsort war der Dojo Coworking-Space. Ein offenes Gebäude mit angeschlossenem Café und Pool. Viel Bambus, viele Pflanzen. Gemütlich. Ruhig. Jede Woche mehrere Events, wo Mitglieder ihr Wissen teilen und ihre neusten Ideen und Projekte vorstellen. Nach kurzer Zeit kannte ich die Gesichter. Abgesehen davon natürlich: Gutes und schnelles Internet. Nicht selbstverständlich auf Bali.

Dritte Lieblingsaktivität: Sport am Strand. Durch morgendliches Training an drei Tagen die Woche, bin ich in den letzten 6 Wochen richtig fit geworden. Ich hätte niemals gedacht, dass es mir Spaß machen würde Sandsäcke zu tragen, Autoreifen umzudrehen und an großen Seilen zu ziehen. Ist aber so. Canggu ist voll von wahnsinnig schönen Menschen. Liegt sicher an den Surfern. Es war auf jeden Fall sportlich-inspirierend.

Credit of Pictures: 2BeFit Bali

Ich mag das ja: High Waist Shorts. Männer mit Bärten. Frauen ohne BH. Smoothies mit Sellerie. Burger aus Kichererbsen. Salat mit rote Beete. Jutebeutel. Macbooks mit Stickern. Yoga und Crossfit. Canggu ist mein Prenzlauer Berg-Paradies. Nur 50% günstiger. Und besseres Wetter.

Kosten auf Bali im Überblick

  • Flug: Frankfurt am Main nach Jakarta, Indonesien: ca. 300 EUR pro Person (gebucht im Januar für Juni)
  • Flug: Jakarta, Indonesien nach Denpasar, Bali: ca. 30 EUR pro Person
  • 1 Monat Unterkunft in Canggu: 10 EUR pro Nacht für Zimmer mit eigenem Bad, Doppelbett, Kühlschrank, 2 Sesseln, Gemeinschaftsküche, Pool und instabilem Internet
  • 100 h Anwesenheit im Dojo Coworking: 116 EUR
  • 1 Monat Scooter Miete: 42 EUR
  • 1 Tank für den Scooter (3 Flaschen Benzin): 1,50 EUR
  • 1 Mahlzeit im Warung: 1,50 EUR plus 0,35 EUR für einen Eistee
  • 1 Mahlzeit im Hipsterrestaurant: 5 EUR plus 1,90 EUR für einen Iced Latte
  • 1 Stück Kuchem in coolem Café: 3 EUR
  • Visum um einen Monat verlängern: 42 EUR

 

Kulturelle Erfahrung

Mhm… kenne ich nun Indonesien?

Sicher nicht. Bali ist eine hinduistische Ausnahme in Indonesien.

Kenne ich nun das „richtige Bali“?

Das glaube ich nicht. Was ich bin Bali gesucht habe, war etwas anders.

Community nämlich. Eine Community von Online-Unternehmern, Freelancern und Selbstständigen. Gesucht haben ich deren Rat, deren Erfahrungen und Geschichten. Und genau das habe ich gefunden und es hat mich wahnsinnig bereichert.

Die Idee im Internet Geld zu verdienen, klingt zu abstrus, zu unglaubwürdig, zu sehr nach Versicherungen und Schneeballsystem als, dass alle meine Bekannten sie für realistisch halten. Hier habe ich einen Mitte 30-jährigen Engländer getroffen, der ein Unternehmen gegründet hat und inzwischen 46 Mitarbeiter führt. Eine deutsche Frau, die eine Social Media Agentur betreibt. Einen Deutschen, der ein Software-as-a-Service-Unternehmen gegründet hat und führt, außerdem bei Amazon Kaffee verkauft, eine Online-Community betreibt und mit seiner Freundin eine Surfblog schreibt. Einen Niederländer und einen Australier, die mit Beratung zur Suchmaschinen-Optimierung ihr Geld verdienen. Einen Deutschen, welcher als Interims-technischer Leiter deutsche Startups unterstützt. Und so weiter. Es tut so gut zu sehen, dass es diese Menschen gibt. Und, dass sie sind wie wir. Nur ein paar Jahre voraus. Und deshalb war der Besuch auf Bali genau so wie ich es mir gewünscht habe und genau das, was ich gebraucht habe.

Credit of Pictures: Dojo Bali

Emotionale Achterbahnfahrt

War Bali also mein Paradies? Was meine Erwartungen an Essen, Wetter und Community angeht auf jeden Fall. Am ersten Abend in Canggu gingen Steffen und ich essen. Ich schaute mich um und dachte mir: Das ist es. Hier wollte ich immer sein und jetzt bin ich da.

Tatsächlich hat Bali mich aber im August in eine tiefe Krise geworfen. Ich war einfach richtig unglücklich und habe gezweifelt. Da wurden Themen wieder aufgemacht, die mich eher an meine Pubertät erinnerten als an die letzten Jahre. Ich kam mir blöd, nicht liebenswert und hässlich vor. Ich wusste wirklich gar nicht wohin. Interessanterweise hat mich der kontinuierliche Sport wieder auf Bahn gebracht. Überraschenderweise kann ich heute auf einmal joggen. Und zwar ohne innere Widerstände. Ich kann auch widerstandsfrei 7 Liegestütze machen und Burpees bis ich mich fast übergeben muss. Ein Knoten ist geplatzt.

Heute komme ich mir erwachsener vor als jemals zu vor. Ich kann Roller fahren. Ich bin an Tag 1 und 2 heruntergefallen und habe beschlossen weiter zu machen. Ich bin nachts um 24 Uhr für 2h Skype aufgestanden und war am nächsten Tag dennoch um 7 Uhr am Strand zum Crossfit. Ich führe jeden Tag eine Handlung durch, die für unseren Amazon-Shop wichtig ist.

Es ist noch ein langer Weg. Aber es kommt mir so vor, als hätte ich etwas verstanden, als hätten sich einige Blockaden gelöst. Ich würde es so zusammenfassen: Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich losgegangen. Und das zu wissen, überflutet mich mit so viel Erleichterung, dass ich eigentlich jeden Tag nur vor Glück weinen möchte.

Bangkok

Der Ortswechsel nach Bangkok hat mich erstmal aus der Balance geworfen. Das Unwissen über die Stadt sowie die richtigen Orte und Routinen nervt mich. Ich bin ressourcearm, überfordert und deshalb ärgerlich.

Und jetzt?

Ich freue mich, dass am Montag Yara und Nora vorbei kommen und wir nach Koh Phangan fliegen.

Steffen wird in Bangkok sein und sich mit Freunden treffen. Danach fliege ich nach Deutschland und Steffen nach Indien. Ende November treffen wir uns in Thailand wieder und besuchen gemeinsam Chiang Mai.

Irgendwann in diesem Leben will ich unbedingt wieder nach Bali. Ich freu mich schon darauf. 

Und du?

Warst du schon auf Bali? Möchtest du dorthin reisen?

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ich war vor 44 Jahren (1972) mal auf Bali. Ich habe schöne – fast idyllische – Erinnerungen kaum mit dem Rummel von heute vergleichbar. Nochmal hinreisen würde ich nicht, da wohl einige Enttäuschung unvermeidlich wäre und mir die Anreise zu weit ist. Ich ziehe heute boreale bis arktische Gefilde vor.

Ja, Bali, hat sich in den letzten 44 Jahren sicher sehr verändert.
Aber die Tempel, die traditionelle Kleidung und Zeremonie sind noch wie früher. Auch die Glöckchen und Gamelan-Orchester.

Ganz liebe Grüße, Viola

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